Weiter auf dem Berglagsleden

Nach kurzer Fahrt erreichten wir Örebro und machten uns direkt auf zum Hotel, welches nur 600m vom Bahnhof entfernt lag und wir hatten Glück! Nicht nur, das dass Hotel günstig war und die Zimmer neu, nein, es es gab auch noch ein sehr leckeres Frühstück und ein Outdoorgeschäft lag direkt daneben und auch unsere Lieblingsburgerkette (Bastard Burger) war ebenfalls nur 200m entfernt. Es hätte uns nicht besser treffen können.
Am nächsten Tag kümmerte ich mich gleich darum, die defekten Sachen auszutauschen und es gab endlich eine neue Isomatte. Diesmal wurde es eine Therm-a-Rest Matte, da diese noch über einen richtigen Drehverschluss verfügen und ich das Ventil selbst austauschen kann. Zudem war die Matte noch 2,8 cm dicker! Ich würde zwar zukünftig 170 Gramm mehr tragen müssen, aber das war mir mein Schlafkomfort wert. Und es gab auch endlich wieder eine 2te Unterhose, nachdem ich bei der ersten bereits nach 3 Tagen wandern durchgucken konnte.
Der schwedische Vertrieb von Helsport war so nett und hat uns ein Footprint für unser Zelt per Post an das Hotel versendet, welches den nächsten Tag ankommen sollte. So verbrachten wir 2 ruhige Tage mit waschen, schlafen, Burger essen und lesen. Nur das Paket kam leider nicht, denn PostNord hatte es falsch kodiert, sodass es erst nach unserer Abreise ankommen sollte. Es hatte alles so gut geklappt, aber manches sollte wohl einfach nicht sein. Am Tag unserer Abreise schaute ich nochmal nach „unserem“ Paket und siehe da, es sollte den kleinen Tag doch noch ankommen. So verschoben wir den Check-Out und warteten am Fenster unseres Zimmers, um die Lieferung ja nicht zu verpassen (die Reception war nicht besetzt) und in aller letzterer Minute (wir mussten auschecken und unserer Bus würde gleich fahren), kam das Paket dann doch noch an.

So konnten wir bei bestem Wetter wieder entspannt und gut gestärkt weiter auf den Bergslagsleden wandern. Der Bus ließ uns direkt an der Autobahn aussteigen und nach einigen Kilometern an der Straße entlang und einigen zu bezwingenden Hügeln mit ordentlich morastigen Passagen kamen wir zu einem herrlichen Shelter an einem See an dem wir die Nacht verbringen wollten. Leider hatte mittlerweile die Mückensaison angefangen, so dass wir nicht mehr in dem Shelter schlafen konnten/wollten, sondern direkt dahinter unser Zelt aufbauten. Bis auf das stetige Summen der Mücken verbrachten wir eine ruhige Nacht und machten uns morgens recht spät auf die nächste Etappe. Wir waren sehr froh, wieder unterwegs zu sein und die Ruhe der Natur wieder genießen zu können. Die Etappe versprach schön zu werden und an unserem geplanten Ziel sollte es einige Shelter und auch einen Campingplatz geben. Wir wanderten den ganzen Tag bei bestem Wetter und ohne eine Menschenseele zu sehen bis in die Nähe unseres Ziels in Anneboda. Als wir dort ankamen traf uns fast der Schlag alles war voll von Menschen. An jedem Shelter wurde gegrillt und es gab absolut keinen ruhigen freien Platz, um ein Zelt aufschlagen zu können. Wir waren total überfordert mit diesem Andrang und wurden immer frustrierter bei unserer Stellplatzsuche. Denn wir waren wohl genau in ein städtisches Naherholungsgebiet hinein gelaufen und dazu am Wochenende bei herrlich warmen Wetter. Zudem war die Stimmung der Menschen eine ganze andere als man es sonst beim wandern erlebt. Wo sonst immer ein nettes Hej Hej ausgetauscht wird und oft genug ein kleines Schwätzchen gehalten wird, so waren hier Wochenendausflügler und Gruppen junger Männer mit tiefergelegten Autos unterwegs, die so gar keinen Sinn für ein nettes Miteinander hatten. Da wir dort nicht bleiben wollten/konnten und auch keine Lust hatten, auf den Campingplatz zu gehen, entschlossen wir uns weiter zu laufen. Ich hatte auf der Karte 2 Seen aus gemacht, wo mit Glück vielleicht etwas zu finden wäre. So machten wir uns schnell auf den Weg und fanden am Ende eines Weges, der überschwemmt war, ein vermeintlich ruhiges Plätzchen. Mit etwas ungutem Gefühl aber genug Müdigkeit durch den langen Tag schliefen wir trotz der Partymenschen in der Ferne und aufheulenden Motoren und quietschenden Reifen ein.
Etwas erledigt, machten wir uns am Morgen recht frühzeitig wieder auf. Wir wollten den Tag 18km laufen und bei der Wärme wollten wir vor der Mittagshitze bereits einige Kilometer gelaufen sein.
Wir wanderten alle 3 so vor uns hin und waren alle noch etwas geschafft und irritiert von den gestrigen Erlebnis. Aber so ist das leider manchmal und nach schlechten Tagen folgen dann doch irgendwie wieder gute! So war es auch heute. Der Weg führte uns Kilometer lang über Schotterwege und das gefällt uns allen 3 gar nicht. Schnell tun die Füße weh und gerade bei Mack stoßen die spitzen Steine schnell in seine Pfoten und er humpelt dann immer ein paar Meter. Ich war schon versucht einfach eine Abkürzung zu laufen, damit wir uns etwas Wegstecke sparen. Wir entschieden uns dann aber doch einen Schlenker um einen See zu laufen und was soll ich sagen! Es hatte sich absolut gelohnt. Der See war wunderbar idyllisch mit einigen Badeplätzen, Bänken und Feuerstellen. Wir hatten bis dahin noch nicht einmal unser halbes Tagespensum erreicht und da wir ja weiter wollten, gönnten wir uns nicht mal eine Pause. Wir hatten den See bereits schon halb umrundet als uns eine kleine Stelle ins Auge viel. Wir stoppten kurz, sagten beide wie nett es doch aussieht und gingen weiter. Nach 10 Metern blieben wir mehr oder weniger beide gleichzeitig stehen und entschlossen, dass ich mal runter gehe und mal gucke, wie es aussieht. Schnell stieg ich ab und checkte alles wichtige. Zeltplatz groß genug, gerade Fläche, ohne viele Wurzeln und Steine, Ameisenaufkommen, Zugang zum See?
Alles hielt dem prüfendem Auge stand und das Highlight war ein Stuhl!!! Ein Stuhl der einsam am See stand und so einladend gemütlich war, dass wir kurzerhand entschieden, hier zu bleiben!

Jedoch nicht ohne schlechtes Gewissen und einer Zwiesprache, ob man denn jetzt schon den Tag beenden könne, schließlich sollten ja noch mindestens 10km bewältigt werden. Aber so ist das halt auf Reisen, Pläne sind etwas wunderbares, aber wenn sich so eine schöne Gelegenheit bietet und nach dem gestrigen Erlebnis, hatten wir uns das hier verdient! Für uns ist die Reise das wichtigste und auch wenn wir unser Ziel in Abisko erreichen wollen, so haben wir für uns entschieden, dass wir es in unserem Tempo machen und bewusst diese Zielfixierung und dem Druck, den man damit selbst schafft, nicht auszusetzen. Dies hatten wir genug in unserem alten Leben und die hat hier keinen Platz mehr. Der Weg ist das Ziel!

Es war wunderbar und für mich war es der schönste Platz bis jetzt. Wir konnten im See baden (sooo kalt…), etwas unsere Sachen waschen und für den Abend sollte es Couscous mit Wienerwürstchen geben. Da es nachts kaum noch dunkel wird, saßen wir noch lange zusammen am See, bis uns die Mücken und der kräftige Sonnenschein dann doch langsam ins Zelt trieben und wir selig und zufrieden einschliefen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s